Stundengebete und Kerzenuhren

31 July 2013 12:21

Mechanische Uhren und Sanduhren kamen erst im Spätmittelalter auf. Die Menschen des 12. Jahrhunderts mussten sich also anders behelfen, wenn sie die Zeit messen wollten.

Grundsätzlich teilte man Tag und Nacht in jeweils 12 Stunden ein, die man von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang bzw. von Sonnenuntergang bis -aufgang zählte. Natürlich wechselte die Länge dieser Stunden mit den Jahreszeiten, sodass diese Art der Zeitmessung, bei der man sich am Sonnenstand orientierte, nicht sonderlich präzise war. Brauchte man eine exakte Zeitangabe, etwa um den genauen Zeitpunkt eines Treffens mit Geschäftspartnern festzulegen, richtete man sich nach dem Geläut der Klöster, das die Mönche zum Stundengebet rief. Bei Sonnenaufgang gegen 6 Uhr morgens schlugen die Glocken zur Prim; drei Stunden später zur Terz; mittags zur Sext; gegen 15 Uhr zur None; um 18 Uhr oder bei Sonnenuntergang zur Vesper. Abends und nachts gab es die Komplet (etwa 21 Uhr), um Mitternacht die Matutin und die Laudes um 3 Uhr in der Früh.

Wenngleich man obskure Gerätschaften wie Wasseruhren schon in der Antike kannte, hatten sie sich im Mittelalter nicht flächendeckend durchgesetzt. Einzelne Exemplare befanden sich im Besitz von Fürsten und reichen Patriziern. Mönche und andere Geistliche verwendeten Kerzenuhren, also Kerzen, die immer gleich schnell abbrannten, sodass man die vergangene Zeit anhand des verschwundenen Materials ablesen konnte, wobei man eine Skala zu Hilfe nahm, die entweder direkt an der Kerze oder an einer Platte dahinter angebracht war. Da Stundenkerzen zumeist aus Bienenwachs bestanden, waren sie teuer. Ihre Ablesegenauigkeit lag immerhin bei 5 bis 10 Minuten.

Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts dann brachten die Städte an gut sichtbaren Türmen öffentliche Räderuhren an, sodass fortan jeder Bürger über die genaue Tageszeit bescheid wusste: Die Zeit der Kaufleute hatte über jene der Kirche triumphiert.

Dieser Text ist Teil einer Artikelserie, die sich mit den historischen Hintergründen von Das Salz der Erde beschäftigt. Jede Woche erscheint ein neuer Artikel.