"Das Licht hinter den Wolken"

23 February 2014 16:59

Die Phantastische Akademie e.V. ist ein Verein, der sich der Förderung der phantastischen Literatur in Deutschland verschrieben hat. Zu diesem Zweck lobt die Phantastische Akademie seit einigen Jahren einen Literaturpreis aus, den SERAPH, der nunmehr zum dritten Mal verliehen wird. Vor einigen Tagen wurde die Short List bekannt gegeben; in der Kategorie "Bestes Buch 2013" sind folgende Romane nominiert:

  • Gläser, Mechthild: Nacht aus Rauch und Nebel (Loewe)
  • Honisch, Ju: Schwingen aus Stein (Feder & Schwert)
  • Marzi, Christoph: Die wundersame Geschichte der Faye Archer (Heyne)
  • Plaschka, Oliver: Das Licht hinter den Wolken (Klett-Cotta)
  • Simon, Cordula: Ostrov Mogila (Picus Verlag)

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich von diesen fünf Romanen nur einen kenne, nämlich Das Licht hinter den Wolken von Oliver Plaschka. Oliver ist ein guter Kollege, er wohnt mehr oder weniger um die Ecke. Wir sehen uns recht oft und quatschen dann ausgiebig über Gott und die Welt und das Schreiben, außerdem haben wir schon die eine oder andere Heldentat miteinander vollbracht. Das Licht hinter den Wolken ist sein aktueller Roman, er erschien vor knapp einem Jahr bei Klett-Cotta. Ich hatte das Vergnügen, ihn schon in einer recht frühen Fassung lesen zu dürfen, und es ist höchste Zeit, dass ich ihn endlich einmal hier vorstelle.

Darum geht es in Das Licht hinter den Wolken:

"Die Magie scheint die Welt verlassen zu haben. Ein neuer Kaiser sitzt auf dem Thron und jagt die letzten Überlebenden der alten Völker bis an die Grenzen der Welt. Auch die junge April und der Söldner Janner sind auf der Flucht und treffen dabei auf den uralten Zauberer Sarik ...

Seit ihrer Kindheit träumt die junge April von einem fernen, magieverheißenden Licht, das sie in die Welt hinauslockt. Doch kaum ist sie ihrem Heimatdorf und der Tyrannei ihres Vaters entkommen, gerät sie an den Fealv Janner. Der junge Söldner ist auf der Suche nach seinen Wurzeln und steckt bis über beide Ohren in Schwierigkeiten. Nachdem die beiden in Notwehr einen einflussreichen Mann getötet haben, werden sie endgültig zu Gesetzlosen und geben sich die Namen ihrer Schwerter. Bald schon sind sie für ihre Taten berüchtigt. Ihre Wege kreuzen sich mit denen Sariks, eines verbannten Zauberers, der sich dem Verebben der Magie entgegenstellt. Keiner von den dreien ahnt, dass sie den Lauf der Welt für immer verändern werden ... ganz, wie es das Licht hinter den Wolken will."

Das Licht hinter den Wolken ist ein High-Fantasy-Roman. Die Welt, die Oliver hierfür erschaffen hat, das Zwei-Ringe-Land, ist vielschichtig, bunt und komplex; die Geschichte, die er erzählt, ebenso. Es dürfte einige Jahre her sein, dass mich ein Fantasy-Roman derart gepackt hat. Das liegt nicht nur an der geschickt konstruierten Story; vor allem die Figuren haben es mir angetan. Oliver lässt ganze Scharen von faszinierenden Charakteren aufmarschieren und zeichnet sie so detailreich und liebenswert, dass man gar nicht anders kann, als mit ihnen mitzufiebern. Dabei wartet er mit immer neuen Wendungen und fantastischen Schauplätzen auf, sodass beim Lesen garantiert keine Langeweile aufkommt.

Wer das Genre mag und sich gern in fremden Welten à la Mittelerde oder Westeros verliert, sollte sich diesen Roman also auf keinen Fall entgehen lassen. Wer noch keine Erfahrung mit Fantasy hat, findet hier den idealen Einstieg in das Genre, denn Das Licht hinter den Wolken bietet alles, was tolle und niveauvolle Fantasy auszeichnet.